Stickers Offensive

Meine Freund*innen und ich lieben Stickers. Sie herzustellen und aufzukleben. Manchmal gehen wir sogar in der Nachbarschaft spazieren, nur um den öffentlichen Raum mit unseren bunten Aufklebern zu füllen. Wir sehen es als eine Möglichkeit, unsere Botschaften, unsere Wut, unsere Wünsche sichtbar und vermittelbar zu machen. Um Ideen frei und dezentral zirkulieren zu lassen. Kurzum: Wir lieben Stickers.
Also haben wir zusammen eine Auswahl an Aufklebern gestaltet, die wir in grosse Menge gedruckt haben (ein Hoch auf das Druckerkollektiv), um sie per Post an diejenigen zu schicken, die sich den Botschaften berührt und inspiriert fühlen.

Hier unten findest du eine Präsentation und den Kontext jeder Kreation. Und wenn dir gefällt, zögere nicht, die gute alte Mundpropaganda zu nutzen, um die Infos an deine*n Freund*innen weiterzugeben. Und wenn du bei der nächsten Sticker-Offensive mitmachen willst, kannst du uns hier kontaktierne : evasions[at]riseup.net

DON’T HATE MONDAY

Wie viele Menschen haben durch die Arbeitswelt gelernt, Montags zu hassen? Viele. Zu viele.
Wie viele Menschen haben aus demselben Grund gelernt, den Sonntag zu lieben? Viele. Viel zu viele.
Lasst uns den Kapitalismus bekämpfen, nicht den Montag 😉

ANTISEMIT ARE LOSER

Am 19. April 1943 begann der jüdischer Aufstand im Warschauer Ghetto. Es ist sowohl ein wichtiger Moment der Shoah als auch ein Symbol des Kampfes gegen den Nationalsozialismus.
Tausende von Menschen, die in äußerst prekären Verhältnissen lebten, organisierten sich und stellten sich dem Faschismus entgegen.
Heute, 78 Jahre später, ist dieser Aufkleber eine Hommage an alle Aufständischen des Ghettos und an alle, die heute noch unter Antisemitismus leiden.

NEVER SEEN BEFORE ?

Mit dieser ironischen Frage versuche ich, die heteronormative, phallozentrische und penetrationszentrische Sichtweise auf sexuelle Beziehungen zu dekonstruieren, die uns von der Gesellschaft auferlegt wird, sowie die Geschlechterstereotypen, die zu toxischem Verhalten führen.

KILLTHERAPIST

Weil sexuelle Gewalt eine der vielen Formen der Herrschaft in einem patriarchalischen kapitalistischen System ist, das aufrechterhalten wird von Männer, die uns vergewaltigen, töten, zum Schweigen bringen, verhöhnen, angreifen, erniedrigen, uns Schuldgefühle einreden, uns verunsichern, während sie sich selbst als unantastbar darstellen.
Weil es an der Zeit ist, ihnen zu zeigen, dass sie es nicht sind. Weil ruhig sein, einen Schritt zurückzutreten, keine Wellen zu schlagen, zu schweigen, zu verzeihen, im Stillen zu weinen, nicht mehr unsere einzige Möglichkeit sein wird, zu reagieren. Denn neben dem Verständnis, dass sie nicht unantastbar sind, ist es an der Zeit, dass Männer Angst vor unseren Repressalien haben.
Haben ihr Angst? Das solltet ihr auch. Ihr bringt unser Leben durcheinander, fürchtet die Konsequenzen.

NOT YOUR MOM

Ich dachte, wir hätten schon alles über die Milchindustrie gesagt. Aber auch heute noch glauben manche Menschen, dass Kühe immer auf natürliche Weise Milch produzieren. Oder dass das Melken die Kühe entlastet und wir ihnen deshalb etwas Gutes tun. FALSCH!
Die Kuh produziert Milch, ja! Aber für ihre Jungen und nicht für uns Menschen! Während ihres traurigen und kurzen Daseins wird die Kuh etwa alle 12 Monate besamt, um die Milchproduktion anzuregen. Schon während der Trächtigkeit zur Hyperproduktivität gedrängt und nach der Geburt von ihrem Kalb getrennt. Die Milch, die getrunken wird, schmeckt nach Missbrauch und Leid.

SIE REDEN VON SICHERHEIT

In unserem Leben begleitet uns die Kontrolle tagtäglich. Hier eine Kamera, da ein Bullenposten, ein Streifenwagen oder zwei Velobullen. Aber die alltägliche Kontrolle tritt auch in anderen, weniger offensichtlichen Formen auf. Jeder Aspekt des Lebens wird zunehmend registriert und aufgezeichnet. Wir haben unsere ganz persönliche Wanze, Ortungsgerät und Überwachungskamera dabei. Jeder Einkauf, den wir bargeldlos tätigen ist auffindbar, beinahe jeder einzelne Schritt ist nachvollziehbar. Wir müssen ständig identifizierbar sein und unsere Ausweise auf uns tragen. Grenzen dürfen wir nur mit einer Erlaubnis überschreiten.
Aber das ist ihnen noch lange nicht genug. Die Kontrolle wird immer weiter ausgeweitet: Das loi sécurité globale in Frankreich, die Police, Crime, Sentencing and Courts Bill in England, das Polizeimassnahmen-Gesetz in der Schweiz und die Aussengrenzen Europas, die immer weiter militarisiert werden. Mordende Polizistinnen werden weiter geschützt. Jeglicher Widerstand auf der Strasse kriminalisiert, jeder wird zur Gefährder*in, flüchtende Menschen werden systematisch erniedrigt und ermordet.
Jeder Versuch, sich dieser Kontrolle zu widersetzen, wird mit Gewalt bestraft. Gitterwägen, Wasserwerfer, Handschellen Schlagstöcke, Tränengas, Gummischrot, Hausdurchsuchungen, Knäste, Untersuchungshaft, Ausschaffungshaft, Push-Backs.
Aber ihre Gewalt richtet sich nicht nur gegen unsere Körper, sie beginnt im Kopf.
Der Staatsglaube, den sie uns bereits in der Schule eintrichtern. Der Glaube, dass wir arbeiten und produktiv sein müssen, um etwas wert zu sein. Die ständige Angst, den Job zu verlieren, an den Rand gedrängt zu werden, dieser Gesellschaft nicht zu genügen und rauszufallen. Die permanente Paranoia vor Polizistinnen, Staatsanwältinnen und Richter*innen.

Aber auch der Widerstand beginnt im Kopf. Es kann nicht und wird nie verhindert werden, dass wir uns mit unseren Freund*innen treffen, dass wir uns nicht zufrieden geben, dass wir statt Sicherheit und Kontrolle Freiheit haben wollen!

ALL NAZIS ARE LOSERS

Die Botschaft dieses Aufklebers ist doch schon genug, oder? Er stammt aus unserem Erotik-Projekt „EPECTASE„.
Und hier nutze ich die Gelegenheit, Werbung für die 500k-Kampagne zu machen, die Geld für die Kosten der Prozesskosten nach der Repression einer Gegendemonstration gegen Nazis in Basel 2018 sammelt

FUCK GENDER

Ich bin keine Frau. Ich bin kein Mann.
Eigentlich möchte ich sein, wer immer ich sein möchte, einfach ich und dass die Leute aufhören, mir aufgrund meines Aussehens ein Geschlecht zu unterstellen und zuzuordnen

LE CLITO

Nur auf Französich

Alle wissen, wie man einen Penis zeichnet. Und eine Klitoris?
Die Idee, diesen Aufkleber zu machen, ist Teil eines persönlichen Prozesses der Wiederaneignung, aber auch und vor allem in einer Dynamik der Sichtbarmachung der Klitoris.
Wenn wir denken, dass wir bis 1998 warten mussten, um die komplette Anatomie zu kennen. Es ist höchste Zeit, sich mehr dafür zu interessieren!

# PASLETEMPS

Nur auf Französich

Um die Wut von transgender, nicht-binären und verbündeten Menschen nach der Veröffentlichung des transphobischen Videos „TOC! Une euphorie de genres“ am 15. März 2021 auf den Youtube- und Facebook-Konten der Zeitung Le Temps.
Den ignoranten, gewalttätigen, transphoben und enbyphoben Diskurs anzuprangern, den das Video vermittelt, und sein gefährliches Potential für LGBTQIAP+ Gemeinschaften, die bereits stigmatisiert, psychiatrisiert und pathologisiert werden.

COMMENT FAIT-ON ?

Nur auf Französich

Ende Januar wurde der Twitter-Account von @Melusine_2 gesperrt, nachdem sie gepostet hatte: „Wie bringen wir Männer dazu, mit dem Vergewaltigen aufzuhören? „. Viele Aktivist*innen haben die Frage zur Unterstützung in verschiedenen sozialen Netzwerken aufgenommen. Es folgte eine Welle von Sperrungen und Androhungen von Kontolöschungen. Die Debatten drehten sich dann um die Frage der Zensur der betroffenen Plattformen und unterstrichen die Tatsache, dass die Frage für einige unhörbar ist. Dennoch gibt es hier wirklich etwas, worüber man sich wundern kann.

BALANCE TON PROF

Nur auf Französich

Anfang Februar machte einen Lehrer an einer Schule in der Schweizer Kleinstadt Fribourg eine Schülerin vorwürfe, weil sie keinen BH trug. Das war der Auslöser, der eine Welle von mehreren hundert Berichte herbringte, die das Frauenstreik-Kollektiv unter dem Hashtag #balancetonprof sammelte. Diese Zeugenaussagen beschreiben sexistische Bemerkungen, körperliche Übergriffe, Voyeurismus und sogar Vergewaltigungen innerhalb verschiedener Schulen in Fribourg.
Wie üblich, blasen die Behörden vor Ort Rauch, um ihren Platz zu schützen. Diese Aufkleber sind ein Beitrag, den Druck, der durch diese Protestwelle entstanden ist, aufrecht zu erhalten und weiter zu verbreiten, um das Patriarchat bis in die Schulen hinein anzugreifen.

HERVE MANDUNDU

4 Jahre nach dem Mord an Hervé Bondembe Mandundu hat die Strafkammer des waadtländisches Bezirksgerichts nach eineinhalb Verhandlungstagen ihr Urteil gefällt. Der Mörder von Hervé wurde freigesprochen und vom Schweizer Staat mit 35’000 CHF entschädigt. Ein Bericht, der die Funktionsweise dieser rassistischen Justiz analysiert, kann hier gelesen werden.
An Hervé Bondembe Mandundu, Mike Ben Peter, Lamin Fatty, Nicolas Manikakis und all die anderen Opfer der rassistischen Polizeiinstitution.

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